Viele Manager scheuen sich davor, Entscheidungen zu treffen, die bei Mitarbeitern unbeliebt sein könnten. Überstunden mehr Leistung oder andere unbequeme Forderungen gefährden die Komfortzonen der Mitarbeiter – und stellen den allseits beliebten Kuschelkurs in Unternehmen in Frage.

Dummerweise wird kein Manager dafür bezahlt, dass er bei den Mitarbeitern beliebt ist. Seine Ziele sind andere: Es geht um die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, um Arbeitsplätze, um die allerbesten Prozesse, um Kunden und langfristigen Erfolg, vielleicht sogar um die Vision des absolut besten Unternehmens. Es geht um viel mehr, als um die Frage, wer sich übergangen oder schlecht behandelt fühlt. Manager sind gefordert, ihren Mitarbeitern etwas zuzumuten.

In unserer heutigen Managementkultur gibt es Manager, die ihre Fahne in den Wind hängen, um nicht anzuecken. Sie formulieren nicht offen und ehrlich, was sie von wem in welcher Zeit erwarten. Wenn sie jedoch aus falscher Rücksicht keine klaren Worte finden, ist ein solches Verhalten schlicht eine Zumutung für Mitarbeiter und Unternehmen. Denn es führt zu Frustration, Demotivation und innerer Kündigung.

Führung erfordert Mut

Was ist die Alternative? Trauen Sie Ihren Mitarbeitern etwas zu! Formulieren Sie außergewöhnliche Herausforderungen für Mitarbeiter, Teams und das ganze Unternehmen. Treffen Sie Entscheidungen, die im ersten Moment weh tun: Bilden Sie kleine, schnelle und temporäre Teams, um komplexe Prozesse innerhalb von wenigen Wochen radikal zu verbessern. Haben Sie den Mut, Ihren Mitarbeitern etwas zuzumuten. Sprechen Sie ihnen das Vertrauen aus, geben Sie Freiheiten und die Zuversicht, dass sie, die Herausforderung und die Unsicherheit meistern werden.

Was passiert, wenn Sie den Mut aufbringen ambitionierte Zielkorridore zu formulieren,  statt veralteten „SMART“ Ziele hinterher zu rennen. Ihre Mitarbeiter sind gefordert, ihre Komfortzone zu verlassen. Sie entwickeln ihr Potenzial für Neues weiter, bringen mehr Leistungen und zeigen mehr Eigenverantwortung. Sie werden erkennen, dass der bisherige Status Quo nicht das non plus ultra war, sondern eine Zumutung für alle. Denn in einer sich schnell verändernden Welt führen smarte Ziele und falsch verstandene Rücksichtnahme zu Stillstand – und damit letztendlich zum Scheitern des Unternehmens.  Leider wird die Möglichkeit, ganz neue Ergebnisse zu erreichen, oft dem pseudo realistischem Bürokratismus unterworfen.

Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich selbst als verantwortlicher Manager ein chaotisches Verfahren zumuten, in dem immer der nächstgrößte limitierende Faktor anzugehen ist. Schnell und radikal. Ohne sich durch die Zwänge von Realismus und punktgenau definiertem Ziel, selber Fesseln für neue Lösungen anzulegen. Hier lautet das Motto, lieber 20% zu viel draufgelegt, als 3% zu wenig!

Das erfordert viel Mut. Aber ist der Mut klein, dann sind auch die resultierenden Aktionen klein und das Ergebnis wird niemanden überzeugen. Wenn ich mich immer im Rahmen der eigenen Erfahrungen und der der Organisation bewege, dann ist das kein Vertrauensbeweis, sondern ein Zumutung für alle. Neu denken, die Rahmen bewusst sprengen, das Unmögliche oder Unaussprechliche anvisieren, den Mitarbeitern Mut zusprechen und ihnen etwas zumuten – das entspricht den heutigen und zukünftigen Herausforderungen. Das ist Supportive Leadership.

Bewusst außergewöhnliche Herausforderungen stellen

In der modernen Trainingsmethodik wird ein Muskel dadurch trainiert, dass er immer wieder einen neuen Trainingsreiz erhält. Was hält uns also davon ab, den Mitarbeitern immer wieder neue außergewöhnliche Herausforderungen zu stellen? Ihnen das Vertrauen zu schenken, die Freiräume zu geben, selber Entscheidungen zu treffen? Ihnen zu zumuten, selbst das Entscheidungsdilemma zu erfahren und daran zu wachsen. Ihnen sowohl verantwortliches Handeln und auch Freiheiten zuzumuten? Nur wenn beide Faktoren vorhanden sind – Eigenverantwortung und Freiheit – können überzeugende Ergebnisse entstehen. Wenn ich für mein Handeln jedoch keine Verantwortung übernehmen muss, dann bin ich eine Zumutung für alle.

Muten Sie Ihren Mitarbeitern Leistung zu – und Sie werden erleben, wie Mitarbeiter und Kollegen Ihnen sagen, dass der neue Weg der einzige ist.  Ihre Mitarbeiter werden den Mut zu Entscheidungen und Leistungen finden, ohne Sie in Ihrer Arbeit zu stören. Die Angst, den eigenen Job auf diesem Weg überflüssig zu machen, brauchen Sie nicht zu haben. Denn nicht die Entscheidungen, die Sie für die Mitarbeiter treffen, rechtfertigen Ihr Gehalt, sondern Ihre Entscheidungen für das Unternehmen. Zumuten, ohne eine Zumutung zu sein, gehört mit dazu.